Chronische Niereninsuffizienz bei Hund und Katze

G. Löwe 2019

Überblick

 

Eine chronische Nierenerkrankung (Chronische Niereninsuffizienz, Chronisches Nierenversagen, CNI) bedeutet den allmählichen Verlust der Nierenfunktion. Die harnpflichtigen Stoffwechselabbauprodukte werden immer weniger aus dem Blut heraus gefiltert, so dass es im fortgeschrittenen Stadium zu einer bedrohlichen Anreicherung dieser Giftstoffe, aber auch von Elektrolyten wie Kalium sowie von Wasser kommen kann.

Zu Beginn der Erkrankung sind kaum Krankheitszeichen zu beobachten. Erst wenn die Nierenfunktion unter 30% der Norm abfällt, treten in zunehmendem Maße Krankheitszeichen auf.

Eine Heilung ist derzeit nicht möglich. Das  Ziel einer Behandlung besteht in der Verlangsamung des Fortschreitens des Nierenschadens, indem in erster Linie die Ursachen der Nierenerkrankung bekämpft werden. 

Die in der Humanmedizin im Endstadium der Nierenerkrankung (Nierenversagen) durchgeführte künstliche Filterung des Blutes (Dialyse) ist in der Tiermedizin nur begrenzt und in Ausnahmefällen möglich. Nierentransplantationen finden in der Tiermedizin nicht routinemäßig statt.

 

Symptome einer chronischen Nierenerkrankung

 

Symptome entwickeln sich, je nachdem wie schnell oder langsam die Erkrankung voranschreitet, sehr allmählich. Sie sind oft sehr unspezifisch und werden erst offensichtlich, wenn die Nieren schon schwer geschädigt sind.

Zu ihnen gehören:

Appetitverlust

Übelkeit und Erbrechen

Müdigkeit und allgemeine Bewegungsunlust

Vermehrter Harnabsatz und entsprechend vermehrte Wasseraufnahme (Durst)

Flüssigkeitsansammlungen im Körper (Beine, Lunge, Herzbeutel)

Blutdruckanstieg

 

Wann sollte Sie Ihr Tier einem Tierarzt vorstellen

 

Spätestens, wenn Sie oben genannte Symptome bei Ihrem Tier bemerken, ist eine Kontrolle der Nierenfunktion durch einen Tierarzt zu empfehlen. Auch wenn Ihr Tier insgesamt noch einen guten Eindruck macht und beispielsweise lediglich eine vermehrte Wasseraufnahme auffällt, sollte ein Tierarzt konsultiert werden. Es ist relativ einfach, die Nierenfunktion zu beurteilen und den Blutdruck zu messen.

Wenn Sie unsicher sind vereinbaren Sie einen Termin oder rufen Sie uns an.

 

Ursachen

 

Chronische Nierenerkrankungen sind meist die Folge anderer Erkrankungen des Körpers und werden seltener ursächlich durch Veränderungen in den Nieren selbst verursacht.

Zu den Krankheiten die zu Nierenschäden führen zählen:

Diabetes

Bluthochdruck

Entzündungen der kleinen Filtereinheiten der Nieren (Glomeruli ---> Glomerulonephritis)

Entzündung der harnableitenden Strukturen und des Nierengewebes dazwischen (Interstitium ---> Interstitielle Nephritis)

Polyzystische Nierenerkrankungen (Gendefekt z.B. bei Perser-Katzen)

Verlegung der harnableitenden Wege durch Harnleiter- und Harnröhrensteine

Verschiedene Arten von Nierenkrebs

Nierenentzündungen durch außerhalb der Niere gelegenen Erkrankungen

 

Risikofaktoren

 

Zu de wichtigsten Risikofaktoren gehören:

Diabetes

Bluthochdruck

Alter

 

Komplikationen

Es kann zu Flüssigkeitsansammlung in verschiedenen Körperregionen wie Beine Brust-Bauchregion, aber auch un den Lungen (Lungenödem), Blutdruckanstieg und Anstieg des Kaliumspiegels im Blut (Hyperkaliämie). Zu hohe Kaliumwerte beeinflussen die Herzfunktion bis hin zum Herzversagen. Weitere ernsthafte Störungen sind Veränderungen im Kalzium- und Phosphathaushalt, was mit einem Verlust der Knochenstabilität einhergeht und die Entstehung einer Anämie, da ein für die Steuerung der Blutbildung wichtiges Hormon in den Nieren gebildet wird. Krampfanfälle sind möglich und das Immunsystem wird geschwächt.

 

Prävention einer chronischen Nierenerkrankung

 

Ein wesentlicher Schutz für eine lange Leistungsfähigkeit der Nieren sind Belastungen durch Giftstoffe (Nephrotoxine), die über die Nieren ausgeschieden werden müssen, zu vermeiden. Dazu gehören auch teilweise Medikamente. Es ist wichtig, sich bei deren Dosierung an die Angaben Ihres Tierarztes zu halten bzw. bei frei verkäuflichen Medikamenten die Angaben des Herstellers zu beachten. Das gilt insbesondere für die Anwendung von Schmerzmitteln.

Ein regelmäßiger Gesundheitscheck, der immer auch die Nieren mit einschließt, ist zu empfehlen, erst recht bei Tieren, die älter als 7 Jahre sind. 

Fragen Sie nach Tests, die Hinweise auf Nierenschäden geben oder rufen Sie uns an.

Diagnose

 

Ein sorgfältig erfragter Vorbericht ist wichtig und der Ausgangspunkt für die weitere Diagnostik. Unter anderem sind folgende Fragen wichtig:

  Weiche Medikament werden regelmäßig verabreicht?

  Wurde ebereits ein erhöhter Blutdruck diagnostiziert?

  Hat sich die Häufigkeit des Harnabsatzes erhöht?

In der sich anschließenden körperlichen Untersuchung werden die Nieren und das Herz untersucht sowie der Blutdruck überprüft.

Bildgebende Verfahren wie Röntgen und Ultraschall (Struktur und Größe der Nieren) sowie verschiedene Labortests  im Blut (z.B. Kreatiningehalt, Harnstoffgehalt) und im Harn (z.B. Nachweis bestimmter Zellen, die Hinweise auf eine Entzündung in bestimmten Abschnittender Niere geben) schließen sich an.

Teilweise werden auch Nierenfunktionstests durchgeführt und eventuell auch Nierengewebe für eine Feingewebliche Untersuchung entnommen.

Therapie

 

Je nach Ursache, ist die chronische Niereninsuffizienz teilweise behandelbar. Häufig ist diese Erkrankung bisher nicht heilbar, sondern das Bestreben ist, die Symptome zu lindern, Den Progress zu bremsen und Komplikationen zu verhindern.

Die labordiagnostischen Untersuchungen zeigen, ob bei Ihrem Tier eine Therapie notwendig und welche Behandlung die sinnvollste ist.

Günstige Verhältnisse liegen vor, wenn man die Ursache der chronischen Niereninsuffizienz finden und behandeln kann. Aber selbst dann kommt die Erkrankung häufig nicht zum stehen.

Nierenerkrankungen sind häufig mit einem erhöhten Blutdruck verbunden, der mit Hilfe von ACE-Hemmern behandelt werden kann, um die Nierenfunktion möglichst lange zu erhalten. Die Behandlung kann unerwünschte Auswirkungen auf den Elektrolytspiegel haben, so dass bis zu einer guten Einstellung des Blutdruckes eventuell wiederholte Laboruntersuchen des Blutes notwendig sind. gleichzeitig ist oft die Gabe eines Diuretikums (harntreibendes Medikament) und die Fütterung einer sogenannten Nierendiät angebracht.

Die Nierendiät ist salzarm, eiweiß-, kochsalz- und phosphatreduziert.

Häufig ist eine chronische Nierenerkrankung mit einer mehr oder weniger ausgeprägten Anämie, die behandlungsbedürftig werden kann. Eine Substitution eines speziellen Hormones (Erythropoetin), das in der Niere nicht mehr in ausreichendem Maße gebildet wird, muss substituiert werden, um die Lebensqualität und Vitalität Ihres Tieres zu erhalten. Teilweise ist auch eine Eisensubstitution notwendig.

Sollte es bereits zu Wassereinlagerung an den Beinen und am Unterbauch gekommen sein, sind sind die Diuretika besonders wichtig.

Chronische Nierenerkrankungen gehen mit Schäden im Knochenstoffwechsel einher. Es entwickelt sich auch beim Tier häufig eine nennenswerte Osteoporose. Dem wirkt der erniedrigte Phosphatgehalt in den Nierendiäten entgegen. Sollten Sie keine Fertigfutter füttern, können Sie durch Phosphatbinder, das gleiche Ziel erreichen. Der Phosphatspiegel im Blut wird gesenkt und die Gefahr von Kalkablagerungen in den Gefäßen wird reduziert.

Die Eiweißreduktion im Futter entlastet die Nieren, die die Stoffwechselendprudukte bei der Verdauung von Eiweiß ausscheiden müssen. Ihr Tierarzt wird Sie beraten, wenn Sie das Futter für Ihren Hund oder Ihre Katze selbst herstellen möchten.

 

Bei der chronischen Niereninsuffizienz sind regelmäßige Nachuntersuchungen, um die Lebensqualität Ihres Tieres möglichst lange erhalten möchtenm, dringend notwendig.

 

Bei einer Nierenerkrankung im Endstadium kann die Niere weder die Stoffwechselendprodukte noch die Flüssigkeit in ausreichendem Maße ausscheiden.

Die dann in der Humanmedizin übliche Dialyse ist in der Tiermedizin nur sehr begrenzt praktikabel.

Am ehesten lässt sich noch eine regelmäßige Peritonealdialyse durchführen. Dabei wird über einen dünnen Katheter eine Dialyseflüssigkeit in die Bauchhöhle gefüllt und nach Stunden mit den darin enthaltenen Stoffwechselendprodukten und dem überschüssigen Wasser wieder abgelassen.

Aus ethischen Gründen sollte die Peritonealdialyse in der Veterinärmedizin jedoch nur eingesetzt werden, wenn mit einer Erhohlung der Nieren gerechnet werden kann.

Nierentransplantationen sind in Deutschland bei Hund und Katze nicht gestattet.

 

Die Regenerative Medizin gibt Hoffnung, dass durch die Substitution entsprechender Zellen auch in der Tiermedizin bei Krankheiten eine Linderung oder Heilung erzielt werden kann, wo das derzeit noch nicht möglich ist.